default_mobilelogo
default_mobilesplash

 

"Ich bin deine beste Freundin. Ob in guten oder in schlechten Zeiten, ich bin immer da.
Mein Name ist Sucht.

Wenn Du feiern willst, bin ich da. Wenn Du traurig bist, bin ich da. Wenn Du nicht allein sein magst, bin ich da.
Ich bin immer da.
Irgendwann bin ich so sehr für Dich da, dass Du ohne mich gar nicht mehr sein magst, sein willst, sein kannst.
Aber keine Angst, ich verlasse Dich nicht, niemals."

 

Sucht ist nicht plötzlich da, in ihrer vollen Ausprägung, ihrer gigantischen Grösse und Stärke. Am Anfang, wenn sie zu dir kommt, ist sie ein nettes Mädchen. Oder dein Traummann, deine Traumfrau. Es ist egal in welcher Form sie dir erscheint, sei versichert, sie erscheint dir in der Form, die garantiert, dass du sie ganz sicher nicht wieder vergisst!

Sie lächelt dich freundlich an, beginnt mit dir zu plaudern und zu lachen und ihr verbringt eine wundervolle Zeit zusammen.
Gut möglich, dass sie auch zu dir kommt, wenn du traurig bist oder am Boden zerstört. Dann setzt sie sich neben dich, hört dir geduldig zu, wenn du dich ausweinst, hält deine Hand, nimmt dich in die Arme, tröstet dich.
Egal ob du ein Mann bist oder eine Frau, die ersten Male begnetet sie dir als nettes Mädchen und egal ob dir zum feiern, zum heulen oder wonach auch sonst ist, sie weiss immer, was zu tun ist.
Sie unterstützt dich, geht mir dir Pferde stehlen, haut mit dir auf den Putz bis dsich die Balken biegen - egal was: sie ist für dich da und das ganz exklusiv.

Dann können Tage vergehen, Wochen oder auch Monate, bis ihr euch wieder begegnet, je nachdem wie schnell du die Exklusivität deiner Freundin wieder geniessen möchtest und es scheissegal, für welchen Anlass das ist. Du willst sie wieder sehen, wieder Zeit mit ihr verbringen und tralaa - ist sie da.

Irgendwann werden die Abstände in denen ihr euch trefft von Mal zu Mal kürzer, denn erschreckenderweise stellst du fest, dass nichts und niemand den du kennst dir die Vetrautheit vermitteln kann, wie deine neue Freundin. Es ist, als würdet ihr euch schon ewig kennen, als wärd ihr Seelenverwandte, niemand kennt dich so gut wie sie dich kennt, mit keinem Menschen sonst, kannst du so sehr du selbst sein wie mit ihr, egal in welcher Lebenslage. Bei ihr fühlst du dich geborgen, sie gibt dir Sicherheit und Kraft oder spendet dir Trost. Sie ist alles und kann alles, was immer du brauchst! Die Zeit, die ihr zusammen verbringt gibt dir alles, was du brauchst, beflügelt dich im Allta, lässt dich über dich selbst hinaus wachsen oder Situationen überstehen, die du sonst vermeindlich nicht überstehen würdest.


Du wirst nicht merken, wie sie immer mehr Platz in deinem Leben einnimmt, wie du immer weniger Zeit mit anderen Menschen oder anderen Beschäftigungen verbringst, wie du langsam anfängst, andere Verabredungen aus zu schlagen, andere Hobbies hinten an zu stellen, um dich mit deiner Freundin zu treffen. Falls du bis zu dem Zeitpunkt noch ein einigermassen gesundes soziales Umfeld hast, werden sich einige deiner Freunde oder Kollegen nun langsam wundern, wieso du dich immer mehr zurück ziehst, aber reagieren wird noch niemand. Du selber wirst das sowieso nicht empfinden, denn für dich ist die Zeit, die du tagsüber ohne deine Freundin verbringst, angefüllt von Euphorie, du erlebst alles viel intensiver als du es früher getan hast, denn die Vorfreude auf euer nächstes Treffen am abend verleiht dir Flügel. Es ist nicht an den Haaren herbei gezogen zu sagen, es fühlt sich an, als wärst du verliebt.

Ohne einen Zeithorizont zu nennen kann ich dir sagen, dass du über kurz oder lang an den Punkt kommst, wo dein Verlangen danach, dich mit deiner Freundin zu treffen nicht mehr Euphorie auslöst, sondern in Nervosität und Gereiztheit umschlägt. Der Tag kann nicht schnell genug vorbei gehen, damit du endlich bei ihr sein kannst, dein ganz normaler Alltag wird dir lästig, alles dauert zu lange, jeder andere geht dir auf den Kecks, nervt dich und aus der einstmals erkquickenden Vorfreude wird ein nerraubender Spiessrutenlauf, der nicht zu enden scheint, bis du endlich zu ihr kannst, zu deiner Freundin, besten Freundin, einzigen Freundin, denn niemand versteht dich so wie sie und gibt dir alles, was du brauchst.

Wenn dich dann die ersten Leute fragen, ob bei dir alles in Ordnung ist, lächelst du sie an und sagst: "Alles bestens, ging mir nie besser!" Und für dich stimmt das auch. Dabei verdrängst du geflissentlich, dass du morgens beim aufstehen schon genervt, gereitzt und müde bist, dass du überhaupt keinen Bock hast, dich mit all den Vollidioten auf der Arbeit und sonst rum zu schlagen den ganzen Tag. Am liebsten würdest du bei deiner Freundin bleiben, denn alles andere ist nur Stress und Ärger und nervt!

Vielleicht merkst du dann langsam selber, dass du dich tatsächlich sehr zurück gezogen hast, vielleicht bemerkst du auch langsam selber, dass deine Leistung im Job nicht mehr dieselbe ist wie früher, stellst selber fest, dass du deine Mails nicht schon lange kaum noch beantwortest, dass die Post tagelang ungeöffnet liegen bleibt und dass du schon lange nichts mehr mit Freunden und Kollegen unternommen hast. Wie immer gehst du zu deiner Freundin, schliesslich sprecht ihr miteinander über alles und sie steht dir immer bei mit Rat und Tat und auch diesmal wird sie zu dir sagen: "Ach was, uns geht es doch bestens! Du machst dir zu viele Gedanken, komm, lass uns zusammen was unternehmen, geniessen wir die Zeit."
Dass in ihrem Wortschatz plötzlich (ach eigentlich schon lange) nicht mehr von dir und ihr die Rede ist, sie nicht mehr auf dich eingeht sondern nur noch von euch beiden die Rede ist, fällt dir erst jetzt auf, aber du ignorierst es, denn schliesslich weiss sie immer, was richtig ist und überlässt dich weiter vetrauensvoll ihrer Fürsorge.

Wenn du selber schon die Bekanntschaft mit unserer Freundin gemacht hast, weisst du spätestens beim lesen der letzten Zeilen, dass es längst zu spät ist. Es ist völlig egal, mit welcher Sucht du dich eingelassen hast, ab hier hast du allerspätestens verloren.
 
Egal wie lange du es schaffst, dein Leben nach aussen hin noch weiter zu führen wie bisher, der Tag wird kommen, wo du die Fragen deiner Freunde und Kollegen nicht mehr mit dem Übermut von Anfangs abtust, wo du nicht mehr nur ahnst, dass  deine Leistung im Job nachgelassen hat, sondern es auch spürst. Wo du sicher weisst, dass du deine Mails schon lange nicht mehr beantwortet hast beantwortest, denn entweder läuft dein Postfach über oder du löscht die Mails ungelesen und schreiben tun dir schon lange niemnd mehr und wenn du die Briefpost öffnest findest du keine Einzahlungsscheine mehr, sondern Mahnunungen. Wo du die Stille deines Telefones realisierst, denn niemand ruft mehr an oder schreibt dir m zu fragen, ob du zum Grillieren mitkommst, ins Kino oder auf Besuch zum Essen.

Du hast mit deiner Freundin schon einige Male über deine Bedenken gesprochen und sie hat dir jedes Mal gesagt, dass alles in Ordnung ist und jedes Mal hast du ihr geglaubt. Jetzt bist du dir allerdings sicher, dass nicht alles in Ordnung ist und du bist entschlossen, dir wieder etwas mehr Zeit für dich zu nehmen, denn du musst Rechnungen bezahlen, auf der Arbeit musst du langsam aber sicher auch mal wieder deine 8 Stunden am Tag arbeiten, ganz abgesehen davon, dass du endlich wieder in die Gänge kommen musst. Auch die Wohnung benötigt schon lange mal wieder einen Frühjahresputz, du willst auch mal wieder mit deinen Kumpels was unternehmen und überhaupt: du brauchst definitiv wieder mehr Freiraum.

Zwar willst du deine Freundin weder enttäuschen noch wütend machen, aber du hast dir vorgenommen, diesmal nicht klein bei zu geben. Du bist mit allen guten Argumenten gewappnet, auf alles gefasst und heute setzt du dich durch.

 

Moment mal: du bist auf alles gefasst?

...Nicht auf das, was du jetzt erleben wirst...