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Niemand kann dir helfen, solange du dir nicht selber helfen willst

 

Solange du einem anderen zu liebe der Bestie abschwören willst - wirst du versagen.

Solange du siehst, dass du alles verlierst, was dir im Leben wichtig war und deswegen dem Dämon wiederstehen willst - wirst du versagen.

Solange du den Blick auf die Dinge gerichtet hälst, die du verlierst, die deinetwegen kaputt gehen, verloren gehen - wirst du versagen.

Solange du in die vergangenheit blickst - wirst du versagen.

 

Du kannst den Kampf gegen die Bestie und den Dämon in dir für und wegen nichts und niemand anderem als um deinetwillen bestehen!

Und erst wenn du erkannt hast, dass nur du allein es bist, der die Zukunft ändern kann, kannst du gewinnen.

 

 

Erst wenn du alle Hintertüren geschlossen hast

 

Dich selber und jeden anderen zu belügen ist eine deiner grössten Stärken. Die Bestie in dir hat dich gelehrt, wie einfach es ist, jedermann das galuben zu lassen, was er gerne glauben möchte (nämlich dass du der Bestie abschwörst) und du hast dich mit ihr zusammen innerlich darüber schief gelacht, wie leichtgläubig, wie naiv und wie manipulierbar die Menschen sind.

Die Lüge ist dein zweites Ich geworden!

 

Wenn du je den Sieg über die Bestie und den ein Leben lang andauernden Kampf gegen den Dämon, der für den Rest deines Lebens um und mit dir ist, gewinnen willst, musst du alle Hintertürchen schliessen!

 

Eines meiner Hintertürchen ist immer gewesen, dass ich nie zu lange und zu weit weg von dort wollte, wo ich meine Freundin wieder treffen könnte, wenn ich wollte. Zu berichten, wie ich meinem Umfeld jeweils plausibel glaubhaft gemacht habe, weshalb für mich diese oder jene Intervention nicht in Frage komme, würde den Rahmen hier sprengen. Aber selbstverständlich war es nie ein Problem (Lügen war zu meinem zweiten Ich geworden) und ich habe dieses Aussteigen- / Rückfällig werden Spielchen so oft gespielt, dass ich es nicht mehr zählen könnte.

Erst als ich den Punkt erreicht hatte, wo ich für niemand anderen mehr aussteigen wollte, als nur für mich selber (siehe oben), weil ich für mich alleine und sonst für nichts und niemanden begriffen hatte, dass ich nicht mehr will, habe ich - und nur ich - diese Hintertür geschlossen.

Es ist kein Paradoxon, dass ich mich dennoch nie weiter als eine Stunde von einem Ort befunden habe, an dem ich meine Freundin hätte besuchen können. Ich hätte sie jederzeit und jeden Tag besuchen können. Aber es spielte keine Rolle mehr, denn ich hielt mir diese Option nicht mehr als Hintertürchen offen. Ich wusste um die Möglichkeit, die ich gehabt hätte, aber es war mir egal.

Das heisst es, die Hintertürchen zu schliessen.

 

 

Versprich niemandem je etwas, was du nicht halten kannst

 

Eigentlich ist dies die Wiederholung der beiden Punkte oben. Und dennoch ist es ein eigenständiger Punkt.

Jeder Junkie, der noch Familie oder Freunde hat, die ihm helfen wollen, von seiner Bestie los zu kommen, erwarten von ihm, dass er ihnen verspricht, es dieses mal durch zu ziehen. Dass er verspricht, nicht wieder rückfällig zu werden. Das Problem ist und bleibt:

Nichts und niemand ist stark genug, gegen die Bestie die den Junkie besetzt, an zu kommen! Nichts und niemand ist stark genug, den Dämon in die Flucht zu schlagen, wenn er sein Opfer umgarnt, umsäuselt, bedrängt und drangsaliert!

Wer das alles noch nie erlebt hat, hat keine Ahnung davon, mit welchen perfiden, miesen, gewaltigen, fuchtbaren Mitteln der Dämon in und um einen Junkie kämpft und wie schwer es ist, dem Stand zu halten.

 

Darum ist es besser, du versprichst niemals jemandem etwas, von dem du nicht weisst, ob du es halten kannst. Und ob du deinem Dämon wiederstehen kannst, auf Dauer, kannst und wirst du niemals wissen!

Du kannst und wirst es nur jeden Tag deines restlichen Lebens zu tun versuchen.

Wenn du es schaffst: umso grösser ist deine Freude und die Freude jener, die um und für dich kämpfen wollen.

Wenn du jedoch einen Absturtz landen solltest, wirst du am nächsten Tag aufstehen, dir eine fette Ohrfeige verpassen, die Ärmel hoch krempeln, die Bude sauber machen und deine Sicherungsstrategien überarbeiten und neue Massnahmen treffen!

 

 

Stell eine Liste mit Notfallnummern zusammen

 

Du brauchst nicht jedem auf die Nase zu binden, dass du ein Junkie bist. Aber den einen oder anderen guten Freund hat jeder. Auch das eine oder andere Familienmitglied kann in Frage kommen. Wichtig ist, dass du dir, noch während deines stationären Aufenthaltes und wenn du ohne unterwegs bist, mit deinem Therapeuten, eine Liste mit Notfallnummern von den leuten zusammen stellst, die du anrufen kannst, wenn merkst, dass der Dämon dich am wickel hat und du ihm demnächst erliegen wirst.

Natürlich muss mit diesen Personen besprochen werden, worum es hier geht. Sie müssen einverstanden sein, dass ein solcher Notruf auch mitten in der Nacht, am Samstag abend oder Sonntag kommen könnte. Aber ich habe noch nie, wirklich noch nie erlebt, dass jene Menschen, die ich um diese Hilfe gebeten hatte, abgelehnt hätten. Glaub mir, die meisten sind heilfroh, dass du endlich ernst machst und die Kurve kriegen willst! Sie sind noch so gerne bereit, diesen "Notfalldienst" zu scheiben.

Es erfordert unheimlichen Mut und unheimliche Kraft, in einem solchen Notfall noch zum Telefon zu greifen - aber genau das ist deine Chance, der Bestie noch von der Karre zu springen! Ich garantiere dir, dass in dem Moment, wo du dich überwunden hast, eine Notfallnummer gewählt und jemandem gesprochen hast, die Bestie ihre Macht über dich verliert! In dem Moment, wo du jemanden aus Fleisch und Blut zu deinem Verbündeten machst, vergeht dem Dämon der Spass an dir und verpisst sich.

Es müssen drei bis fünf Nummern auf der Liste stehen und du wirst mit jedem einzelnen klären und besprechen, dass wenn du den ersten auf der Liste nicht erreichst (kann vorkommen, ist aber keine Ausrede!), die zweite anrufst und wenn da auch niemand ist, die nächste und so weiter. Desswegen müssen es mindestens drei Nummern sein.

 

 

Und dann noch dies:

Die ersten Monate vermeide schwierige Situationen

 

Im Kapitel "Ein paar Dinge, die du über den Dämon in dir solltest du wissen solltest" habe ich bereits ein paar Situationen aufgelistet, aber diese Liste kann nicht vollständig sein, da für dich andere Situationen gefährlich sind als für mich und wieder ein anderer hat wieder andere Problemzonen.

 

Wichtig ist, dass du dir darüber klar bist, dir allenfalls aufschreibst, welche Situationen du für eine ganze Weile meiden solltest. Bei mir waren viele Jahre Parties, Feierabendbier, Abschiedapéro's, die Alkoholabteilung im Lebensmittelladen, Bars und Restaurants generell... Ja, das ist beschissen, es ist ein gewaltiger Einschnitt in dein Leben, wie du es gekannt hattest.

Aber genau das ist der Punkt: Du wirst dir so oder so ein neues Leben aufbauen müssen. Neue Hobbies, neues Freunde, neue Locations, die du besuchst...

Wenn du dazu nicht bereit bist, kannst du dir den ganzen Aufwand, die Zeit und die Kosten für all das sparen und einfach weiter deinem Dämon fröhnen. Vielleicht besorgst du dir auch gleich eine Knarre und pustest dich um. Das wäre dann nämlich der schmerzfreiste Weg für dich und jeden Menschen um dich herum, am meisten diejenigen, denen etwas an dir liegt. (Und ja, für mich gilt dasselbe, also kann ich das sagen).

 

Nach meinem Entzug vom hartem Stoff habe ich Jahre lang keinen Fuss mehr in die Region gesetzt, in der ich aufgewachsen bin. Das war zwar nicht die Region, in der ich die Blütezeit meiner Junkie Karriere verbracht habe, aber es war die Region, die Gefühle in mir ausgelöst hat, denen ich nicht gewachsen gewesen wäre. Hingegen musste ich nach der Therapie auf dem Weg zur Arbeit und nach Hause jeden Tag durch die Gegend, in der ich "gelebt" habe während meiner Junkie Jahre. Ich schaffte das nur mit Ohrstöpseln und lauten Sound im Ohr, damit ich nicht hören und sehen musste was um mich herum ging. Aber ich schaffte es. Man muss sich eben seine Krücken finden und sie auch nutzen. In diesem Fall war meine Krücke laute Musik, die die Stimme in meinem Kopf übertönt hat.

Du siehst: für jeden sind es andere Situationen, die er anfangs dringend meiden sollte.

 

Später wirst du lernen müssen, solche Orte wieder betreten oder besuchen zu können.

Tu es am Anfang auf keinen Fall alleine! Triff dich mit Freunden oder Kollegen oder geht zusammen hin. Du weisst sehr genau, dass alles andere eine Hintertür wäre.

Es liegt also voll und ganz in deiner Verantwortung, dir diese Hintertür zu vermauern und ein Backup mit zu nehmen, bis du der Situation wieder gewachsen bist.