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  • Er kämpft mit allen Mitteln und ohne jede Regel. Gnadenlos.
  • Er begegnet dir in jeder Gestalt, die du dir vorstellen kannst.
  • Er kommt wann immer es ihm passt und in jeder Situation.
  • Er ist du.
  • Dieser Kampf dauert dein Leben lang.

 

 

Er kämpft mit allen Mitteln und ohne jede Regel. Gnadenlos

Das gilt für jede Sucht, ausnahmslos.

Nicht für jede Sucht, aber für viele gilt zudem:

     Sucht ist kein Spiel, kein Spass, sondern ein knallharter Kampf um Leben, Überleben oder krepieren! 

 

 

Er begegnet dir in jeder Gestalt, die du dir vorstellen kannst

Er kommt als nettes Mädchen, dein Traummann, deine Traumfrau, dein Kumpel, dein Freund, deine beste Freundin, dein Boss, deine Mutter, dein Vater, die alte Frau die auf der Parkbank sitzt.

Er kommt als du selbst, wenn du dich im Spiegel anschaust!

Und er kommt unsichtbar aus dem Nichts und schwebt unsichtbar um dich herum! 

     Er kommt in JEDER Gestalt!

 

 

Er kommt wann immer es ihm passt und in jeder Situation.

Ich empfehle dir, dich grade am Anfang eines Entzuges (und jede Sucht die abgesetzt wird, setzt sich auf Entzug), Situationen zu meiden, in denen du in Versuchung kommen könntest.

  • Wenn es Kippen sind: meide die Raucher Ecke. Geh Menschen aus dem Weg, die rauchen. **
  • Wenn es Alkohol ist: geh in Läden einkaufen, die keinen Alkohol verkaufen. Verzichte darauf, dich mit Kollegen auf einen "Drink" zu treffen.
  • Wenn es Gamen ist: wirds brenzlig, aber keine Panik, andere müssen noch viel härter durch... also meide Kasino's, wenn es die sind und sonst: meide das Internet!
  • Wenn es Essen ist: hast du die absolute Arschkarte gezogen, denn Essen kannst du nicht meiden. Du musst den Schritt Vermeiden überspringen und direkt dort einsteigen, wo jeder Junkie schlussendlich dran arbeiten muss: seiner Grundeinstellung.

** ja, Kippen und Raucher zu meiden ist dein Job, nicht der des Anderen. So wie es der Job des Alki's ist, Alkohol zu meiden, und nicht Job der anderen, keinen Alkohol mehr zu trinken. 

 

Auf Dauer wird "Vermeiden" allerdings sowieso nicht reichen, denn dein Dämon kommt wann immer es ihm passt! 

Er kommt, wenn es dir bestens geht.

Er kommt, wenn es dir beschissen geht.

Er kommt, beim Fernsehen, beim Warten auf den Bus, wenn du deine Oma besuchst, beim Schuhe zuschnüren, in der Mittagspause, wenn du alleine bist, wenn du unter Freunden bist...

     Er kommt aus heiterem Himmel, ohne erkennbaren Anlass und vor allem wenn du am Allerwenigsten damit rechnest!

 

 

Er ist du

Seit ich begriffen habe, Sucht als den Dämon, die Bestie zu erkennen, die er ist, kann ich ihn sehen, riechen, fühlen, spüren. Seit ich ihm eine Gestalt geben kann und Sucht nicht mehr einfach als Begriff verstehen muss, verstehe ich wie er funktioniert, wie er mit mir funktioniert. Wie er mich manipuliert, wann, in welcher Form, warum. 

Dennoch vergesse ich nie den Moment, als er mir zum ersten Mal seine hässliche Fratze gezeigt hat:

 

Wieder einmal ein kalter Entzug zu Hause. Dritter Tag, vierter, weiss ich nicht mehr. Es ging mir nicht beschissen, es ging mir dreckig als jedem Strassenköter:

Schweissgebadet, am ganzen Körper zitternd und schlotternd, frierend und schwitzen lag ich im Bett. Jede Faser meines Körpers schmerzte, du möchtest, ja musst Arme und Beine bewegen, denn die Ameisen die hindurch rennen bringen dich um den Verstand! Aber du kannst dich kaum bewegen, du hast keine Kraft, nicht mal eine Tasse zu halten funktioniert. Aber du kannst deine Gliedmassen sowieso nicht koordinieren, genauso, wie deine Beine dich nicht tragen. Du siehst verschwommen und durch einen trüben Nebel und am liebsten würdest du dir die Augäpfel aus dem Schädel reissen, denn es ist, als steckten glühende Nadeln drin. Ich will gar nicht wissen, wie ich gerochen habe, es muss widerlich gewesen sein. 

(Ein Bild dazu: ein auf die Knochen abgemagerter KZ Häftling auf einer Strohmatte liegend im Fieberwahn.)

In die Küche oder ins Bad kroch ich auf allen Vieren, zog mich an der Ablage oder am Waschbecken hoch, aus eigener Kraft und ohne Hilfsmittel ging es nicht. Selbstverständlich vermied ich diese "Ausflüge" so lange wie es ging, denn die Anstrengung eines solchen Unternehmens ist in Worten nicht zu beschreiben...

 

Tag fünf: Das Gröbste war vorbei. Die Glieder zitterten nicht mehr so schlimm, die Sicht hatte sich etwas geklärt, das Ameisenrennen in Armen und Beinen war fast weg, ich konnte wieder aufsitzen, sogar stehen und gehen, wenn ich es langsam tat. 

Aber jetzt wo der körperliche Entzug mich nicht mehr in seiner vollen Gänze in den Klauen hatte, krallte er sich meinen Geist. Diese Bilder will ich jedem ersparen, aber ich kann sagen, dass ich meine Grossmutter verkauft hätte, um an eine Dosis zu kommen... Der körperliche Entzug ist die Hölle. Der mentale ist in Worten nicht zu beschreiben. Ich wünschte mir gleichzeitig nichts mehr, als dass ich entweder an mein Bett gekettet wäre, damit ich nicht raus auf die Strasse laufen und mir holen konnte, wonach ich lechzte, wie ich mir wünschte, schon auf der Strasse zu stehen und endlich in Händen zu halten, was ich verdammt nochmal wollte...! Du kämpfst dagegen an, du willst aufgeben und los rennen, du willst nicht aufgeben, du willst verdammt nochmal, dass es endlich aufhört... du drehst langsam aber sicher durch.

 

Es war Abend, ich kroch ins Bad. Ich musste hier raus, ich musste dem ein Ende bereiten. Über das Waschbecken gebeugt trank ich Wasser aus dem Hahn, spritzte mir Wasser ins Gesicht. 

 

Dann sah ich hoch und in den Spiegel. Was ich sah, war kein Mensch. Was ich sah, war eine wüste Fratze, die mir aus rot glühenden Augen aus einem Wut- und hassverzerrten dreckigen Schädel anfunkelte.

 

Ich erschrak derart, dass ich gegen die Wand hinter mir prallte, aber die Fratze stierte mich wweiter an. Und in dem Moment erkannte ich, dass dieses Monster, dieser Dämon sich nur noch meines menschlichen Äusseren bediente, wenn es ihm einen Vorteil brachte. Hier, jetzt, in dieser Situation brachte ihm ein menschliches Äusseres gar nichts und so liess er die Maske fallen und zeigte mir sein wahres Gesicht.

 

Dein Dämon - das bist du. Und du bist dein Dämon.

 

Und dieser Kampf dauert dein Leben lang!