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Es ist schon gesagt worden: Einmal Junkie, immer Junkie.

Auch wenn du es geschafft hast, die Bestie Sucht soweit zu überwinden, dass du ihr körperlich nicht mehr hörig bist: Dieser Kampf dauert dein Leben lang!

 

Du hast es jetzt nicht mehr mit der Bestie zu tun, sondern mit dem Dämon.

Und glaub mir: Er kämpft mit allen Mitteln, dich wieder in seine Klauen zu zwingen. Wortwörtlich.

 

Kannst du es ihm verdenken?

Ich nicht.

 

Das einzige, was ER verlieren kann, bist DU. Und dich will er. Dich, dein Leben, deine Seele.

Du kannst über den Vergleich lächeln, aber wenn du dem Teufel erst einmal seine Seele verkauft hast, dann gehört sie ihm und er lässt dich nicht wieder gehen!

 

Dafür ist ihm jedes Mittel recht, absolut jedes.

Anfangs ist es am Schlimmsten, aber glaub mir: auch wenn du dem Dämon viele Monate oder Jahre widerstanden hast, er kann jederzeit über dich her fallen, denn er hat alle Zeit der Welt.

Er kommt, beim Fernsehen, beim Warten auf den Bus, wenn du deine Oma besuchst, beim Schuhe zuschnüren, in der Mittagspause, wenn du alleine bist, wenn du unter Freunden bist...

 

     Er kommt aus heiterem Himmel, ohne erkennbaren Anlass und vor allem wenn du am allerwenigsten damit rechnest!

 

Es ist ihm ausserdem völlig egal, wenn er Jahre darauf warten muss, dich wieder in die Finger zu kriegen. Er hat die Ewigkeit lang Zeit, auf dich zu warten.

Du bist nicht der Einzige auf seiner Liste. Wenn du also grade nicht erreichbar bist für ihn, hat er genügend andere Opfer, um die er sich kümmern kann. Sobald er aber riecht, dass du wieder "reif" bist, wird er kommen und dich holen.

 

 

Ein paar Beispiele

Es war ein langer Arbeitstag und frustrierend noch dazu. Du hast den ganzen Tag nur Kunden am Apparat gehabt, die dich beschimpften, deine Kompetenz niedermachten, dir drohten, dich und deine Bude zur Verantwortung zu ziehen usw. Fix und fertig sitzt du im Zug nach Hause, willst einfach nur nach Hasue, dir ein entspannendes Bad einlassen und nacher ins Bett fallen und schlafen.

Kennst du? Gut.

In dem Moment wo du aus dem Zug steigst, prallst du unvermittelt gegen eine Wand. Zack - da steht der Dämon vor dir, du prallst gegen ihn und bleibst stehen. Niemand um dich herum sieht was du siehst, für die Leute auf dem Bahnsteig bist du einfach ein Trottel, der blöd auf dem Bahngleis steht und ein Loch in die Luft stiert.

 

Du bist aber nicht einfach stehen geblieben, du stehst vor einer unsichtbaren Wand und der Dämon spricht zu dir:

"Nimm mich, ich bin da für dich, ich lasse dich vergessen. Nimm mich, kuschel dich in mich, wohlig und warm wie in eine weiches Bettdecke. Ich halte dich, schauckle dich, schenke dir süsse Träume. Oder süsses Vergessen. Nimm michn nur heute noch ein Mal..."

Du bist fällig. Du kannst die Stimme nicht mehr abstellen, ihr nicht aus dem Weg gehen, dich nicht davon ablenken. Selbst wenn du jetzt weiter läufst, die Stimme spricht nicht zu dir, der Dämon sitzt in dir und egal was du tust, er spricht in dir, brüllt in dir. Du kannst ihm nicht entgehen.

Wie er dich ran gekriegt hat?
Mit der Versprechung, den Tag einfach vergessen zu können, ab zu tauchen, ab zu schalten.

Er kommt sehr gerne, wenn es dir schlecht geht und verspricht dir Trost.

 

 

Es war ein langer Arbeitstag, ein sehr erbaulicher. Alle Meetings, egal ob mit Chefetagenmitgliedern oder Kunden, sind hervorragend verlaufen, die eine oder andere Stänkerei konntest du erfolgreich in positive Richtung umlenken, alle aufgegleisten Projekte laufen bisher reibungslos. Alles in allem: Ein hervorragender Tag! Obwohl er lang war bist du noch lange nicht müde, dafür bist du viel zu beschwingt. Du bist noch bei einem Kumpel und seiner Frau eingeladen, das Wetter ist perfekt für einen Grillabend. Im Übrigen ist dein Dämon schon seit zwei Jahren Geschichte, er ist das letzte, woran du denken müsstest oder würdest.

Gut gelaunt triffst du bei deinem Kumpel ein, ein paar andere Leute sind bereits da, der Tisch ist bereits gedeckt, die Stimmung ist tipp topp, man plaudert und lacht noch miteinander während das Fleisch auf dem Grill noch bruzzelt.

Kennst du? Macht nichts.

Plötzlich hörst du nicht mehr, was die anderen um dich herum erzählen, es ist als hätte jemand einen Rauschfilter über das gelegt, was um dich herum gesprochen wird und auf einem anderen Kanal hörst du (und nur du) die Stimme, die folgendes zu dir sagt:

"Hey Buddy, was machst du eigentlich hier? Mal ehrlich, das hast den perfekten Tag hingelegt. Und jetzt sitzt du hier dumm mit irgendwelchen Querflöten um ein bisschen Stumpfsinn zu labern? Mann oh Mann, du hast echt besseres verdient, das hier ist doch Kindergarten! Lass uns deinen erfolreichen Tag richtig feiern! Hey Mann, ich garantier dir, wir werden viel mehr Spass haben. Los komm schon, morgen ist frei, was sitzten wir hier noch rum?"

Du hast keine Ahnung, woher das grade gekommen ist. Die Kollegen um dich rum plaudern weiter, nehmen nicht wahr, in welchem Film du grade sitzt. Wie auch?

Wie er dich ran gekriegt hat?
Es geht dir gut. Zu gut. In jeder Situation bist du auf ihn gefasst gewesen, aber nicht darauf, dass er nach so langer Zeit in dein Leben platzt, in einer so harmlosen Situation und ausgerechnet wenn du nach einem ausgezeichneten Tag bei Freunden zu Hause friedlich zum Grillieren und plaudern bist.

Wie gesagt: Er kommt wann er will und wo er will und am liebsten dann, wenn du am wenigsten auf ihn gefasst bist!

 

 

Seit bald zwei Jahren bist du frei von deinem Dämon, sitzt im Zug auf dem Weg nach irgendwo (es spielt keine Rolle wohin) und schaust gedankenverloren aus dem Fenster. Draussen ziehen Felder und Wiesen vorbei, als der Zug sich der Stadt nähert fährt er langsamer, Felder und Wiesen weichen Häusern. Je näher der Zug dem Bahnhof kommt, desto mehr Gleise verlaufen links und rechts und desto grösser werden die Häuser und je mehr und grösser die Häuser werden, desto mehr und grösser auch die übergrossen Reklametafeln; Werbung für Nike, eine grosse Versicherung, H&M, ein neuer Smoothie von Müller Milch, eine Werbung des Bundesamtes für Gesundheit. Gelbe Schrift auf schwarzen Hintergrund, keine Bilder, nichts ausgefallenes. Da steht bloss: Sucht geht uns alle an.

Warum sich plötzlich deine Muskeln verkrampfen, sich deine Eingeweise zusammenziehen, du einen trockenen Mund und feuchte Hände bekommst, könntest du nicht sagen. Aber gelb auf schwarz hat sich der Satz auf deine Netzhaut gebrannt und blinkt dort weiter, obwohl das Plakat längst aus deinem Sichtfeld verschwunden ist. Dann verblassen die Buchstaben und eine Flut von bIldern und Gefühlen aus vergangenen Zeiten, die du mit deiner Freundin zusammen verbracht habt, stürtzt über dich herein. Selbstredend aus eurer guten gemeinsamen Zeit.

Welche Bilder das sind, kann ich dir nicht und kann niemand dir sagen, es sind deine Bilder.

Wie er dich ran gekriegt hat?
Das wissen die Götter. Es kann alles sein oder nichts. Es ging dir zu gut, du hast nicht damit gerechnet (siehe oben). Es kann aber auch sein, dass du dich seit einer Weile in einer Art Luftleeren Raum; weil irgendwie alles rund läuft in deinem Leben, keine Nennenswerten Hochs oder Tiefs. Dein Leben verläuft reibungs- und ereignislos, es inichts besonderes oder nennenswertes vorgefallen. Es ist genauso unaufgeregt, wie das Plakat an dem du eben vorbei gekommen bist.

Nicht ich und auch niemand sonst kann dir sagen, wieso er grade hier und jetzt und über dich gekommen ist. Aber so gerne wie er kommt, wenn es dir nicht gut geht oder wenn es dir zu gut geht, kommt er auch dann, wenn einfach alles in Ordnung ist und nichts Besonderes dein Leben auf Trab hält.

 

 

Die Liste liesse sich endlos fortsetzen. Vielleicht folgt eine Fortsetzung. Doch eigentlich ist es unnötig und gar nicht möglich, eine vollständige Liste zu erstellen. Fakt ist nur eines:

Der Dämon kommt wann immer es ihm beliebt, wo immer es ihm beliebt, wie immer es ihm beliebt.

Vielleicht geht es nicht einmal darum, wie es dir geht? Vielleicht kommt er auch einfach dann, wenn er gerade Lust dazu hat?