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Sich in Gesellschaft zu unterhalten ist nicht ganz einfach. Wo andere witzige Stories zum besten geben, kann ich nichts beitragen.

Meine Stories sind nicht wollig-weich-perwoll-gewaschen. Ich habe „ein paar“ Jahre in Abhängigkeit gelebt, was ich während der Jahre der Schwerstabhängigkeit gesehen, erlebt oder getan habe, ist nicht gesellschaftstauglich. Und wie ich sonst gelebt habe ebenfalls nicht. Seit ich das Leben wieder entdeckt habe, nachdem ich von Heroin weg gekommen bin, habe ich auf der Überholspur gelebt: 340 km/h nonstop.
 

Auch eine Meinung kann ich nicht zum Besten geben, denn habe aufgehört, eine Meinung zu haben. Zwei verdutzte Augen sehen mich an. Wieso?

Ich formuliere es mal so:

Je tiefer man in eine Materie vorstösst, desto weniger weiss man. Wo immer man meint, die Antwort auf eine Frage gefunden zu haben, tun sich fünf neue Fragen auf. Das einzige, was man wirklich weiss / wissen kann, ist das, was man selber er-lebt hat.

Wie könnte man vor dem Hintergrund dieser Einsicht noch behaupten, etwas zu Wissen?
Selbst wenn ich zu einigen Dingen eine Meinung habe – was für mich richtig ist, ist nicht für jeden anderen richtig. Es gibt kein Richtig und kein Falsch.

 

Wie also bewegt man sich in Gesellschaft, wenn man nichts zu berichten hat?
Man schweigt.
Man lenkt ab.
Man lässt andere reden.

Das ist das kleine 1x1, das jeder Junkie beherrscht. Früher gehörte noch Lügen ins Repertoire. Zugegeben, auch das beherrscht man nach wie vor und wenn es nötig ist, tut man es auch. Ohne rot zu werden.

 

Es ist ganz einfach, einen Menschen mit einer „Vergangenheit der anderen Art" zu erkennen.  Wir erkennen uns gegenseiti:
An dem, was wir nicht sagen.
Dort, wo wir ab- und weg lenken.
Am Schweigen.
In den Augen.


Und an nonverbalem, für den Aussenstehenden nicht sichtbaren Signalen, die sich nicht in Worte fassen lassen.


Aber in der Regel fallen wir nicht auf.
Stumme Zeichen werden in einer Gesellschaft die sich jeder gerne selber reden hört nicht wahrgenommen. Für mich ist das gut so.
Es erleichtert es mir ungemein, mich jeden Tag in einer Gesellschaft zu bewegen, mit der ich nichts gemeinsam habe und dennoch meinen Job zu erledigen.

 

Das Einzige, was daran mühsam ist:
Sich überhaupt in einer Gesellschaft bewegen zu müssen, mit der ich nichts gemeinsam habe und deren Interessen und Probleme mich nichts angehen und nicht interessieren.