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Seit mir die Sucht das erste Mal ihr Gesicht gezeigt hat, ihr wahres Gesicht, kann ich nicht nur abstrakt verstehen, wie sie mit mir lebt, sondern ich fühle, spüre, rieche sie auch. 

 

Seither denke ich in Bildern und rückblickend ist das wohl meine Chance gewesen, gegen den unbesiegbaren Dämon in mir zu bestehen, ihn schlussendlich zu besiegen und so eine Möglichkeit gefunden zu haben, mit ihm zu leben und um zu gehen, anstatt gegen ihn zu kämpfen - denn solange du gegen ihn kämpfst, kannst du nur verlieren.

 

Ein weiterer Vorteil dieses bildlichen Verständnisses liegt darin, dass es absolut keine Rolle spielt, von welcher Sucht die Rede ist. Sie mag 1000 Gesichter habe, sich jedem anders zeigen, in 100'000 verschiedenen Formen und egal in welcher Situation. Aber Sucht ist Sucht und sie funktioniert immer gleich.

  

Wenn der Dämon als süsses kleines Mädchen hüpfend und trällernd auf mich zugelaufen kommt, erkenne ich ihn, als die Bestie, die er ist und schicke ihn weg.

 

Wenn er mir als bester Freund, als guter Kumpel auf die Schulter klopft und sagt: "Hast du gut gemacht Body, lass uns das zusammen feiern", weiss ich, was er wirklich von mir will, schüttle seine Hand von meiner Schulter und lasse ihn stehen.

 

Wenn er sich von hinten an mich heran schleicht,  mich unvorbereitet hinterrücks aus dem Nichts anfällt, habe ich seinen faulen Atem bereits gerochen, bevor er seine Klaue um meinen Hals legt und mich gegen die Wand schleudert. Ich bin auf den Schlag gefasst, weiss, dass er mich die nächsten Stunden durch die Mangel drehen wird bis mein Körper zerschunden ist und ich mich nicht mehr rühren kann. Aber ich weiss, dass ich es überleben werde.

 

Wenn er unsichtbar und leicht wie die Luft selbst um mich herum schleicht, oft tagelang, fühle ich den heissen Hauch seines Atems auf meiner Haut und höre das leise Flüstern im Wind. Dann begehe ich nicht mehr den Fehler, ihn ignorieren zu wollen, sondern sage ihm, dass ich weiss, dass er auf mich wartet.

 

Manchmal spiele ich auch mit ihm, lasse zu, dass er weiter um mich herum schleicht, tanze mit ihm, lasse ihn sich um mich wickeln, einer exotischen Schlangentänzerin gleich mit ihrer majestätischen Boa.

 

Und es gibt Momente, wo ich meine beste Freundin höchst persönlich anrufe, um ihr mit zu teilen, wann und wo wir uns treffen.

 

 

Der mit dem Dämon tanzt

 

Mein Dämon begleiten mich seit meinem dreizehnten Lebensjahr, das ist mehr als zwei Drittel meines ganzen Lebens. 

Was ich hier beschreibe, lernst du in keinem Kurs oder Buch. Mein heutiger Umgang mit dem Dämon in mir beruht auf Jahrzehntelanger Auseinandersetzung mit meinem Junkie Dasein und glaub mir:

Ich hab mir einige duzend Male nicht nur die Pfoten verbrannt, sondern jedes gottverdammte Mal ein Stück meiner selbst verloren!  

 

Ausserdem habe ich zig Jahre Therapie auf dem Buckel, ich habe den Ausstieg vom Heroin nicht ohne Hilfe geschafft!

Und dass ich Jahre nachdem ich dem Heroin entkommen bin dem Teufel doch wieder verfallen bin - demselben Dämon, nur den Lockstoff hatte er ausgetauscht - sollte jedem Menschen mit etwas Grips klar machen,

dass Sucht kein Spiel, kein Spass, sondern ein knallharter Kampf um Leben, Überleben oder krepieren bedeutet! 

Das meine ich todernst.

 

Wer mit dem Teufel speisen will, braucht einen langen Löffel! 

Meiner war nie lang lang genug und dafür habe ich bezahlt.

 

Und wenn du lange genug in einen Abgrund starrst, starrt der Abgrund irgendwann aus dir zurück.

Auch das willst du nicht!

 

Ich versuch dir gern zu erklären, was du tun kannst, um den Teufelskreis zu durchbrechen und dem Dämon einen Arschtritt zu verpassen!

Aber vor Leichtsinn und Übermut kann ich dich nur warnen, dich davor beschützen, das musst du schon selber.