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Sie geschehen immer wieder.

Eingeladen zum Essen, ein unkompliziertes Zusammensitzen und plaudern mit Leuten, die ich erst kürzlich kennen gelernt habe und wusste, dass das Leute  sind, die nicht 0815 funktionieren, sonst hätte der Abend gar nie statt gefunden.

Das Thema Drogen (Kiffen, Trinken, Härteres) wird niemals durch mich aufgeworfen, es ist immer das Gegenüber. Beim Essen gehen ist es sowieso schnell ein Thema, denn ich trinke nicht (mehr). Ein weiterer Grund, warum mir Geschäftsanlässe, Weihnachts- oder sonstige Feiern ein Greuel sind.

Denn damit geht es los:

„Du trinkst nicht?“ „Ach komm, nur ein Gläschen (!)…“, „Ganz sicher nicht?“ „Ach komm, sei kein Spielverderber!“ „Gar nie?“ „Wieso nicht?“
Darauf gebe ich meistens eine von zwei möglichen Antworten:
„Ich fahre.“ Oder „Ich vetrag’s nicht.“ Alles andere wird nicht akzeptiert, immer wird versucht, einem doch ein Glas auf zu drängen.


Ist das nicht verrückt? In unserem Land sterben jährlich mehr Menschen an den Folgen des zu Hohen Alkoholgenusses als zu Spitzenzeiten an einer Überdosis Heroin gestorben sind – und doch ist es legal und mehr als das: Es gehört zum „guten Ton“, mit andern etwas zu Trinken, sei es beim Anstossen in der Kneippe oder zum Essen mit einem Glas Wein. DAS habe ich nie verstanden, auch nicht, bevor ich ein Problem mit Alkohol bekommen hatte und ich werde es auch nie verstehen.


Vielleicht sollte ich es mal versuchen: mir mein allerbestes Lächeln ins Gesicht zaubern, meinem Gegenüber freundlich in die Augen schauen und sagen: „Wenn du eines Tages mitreden kannst, was es heisst, ein Scheiss Junkie gewesen zu sein (und du überlebst), können wir miteinander reden. Vorher lass mich das tun, was ich für mich für richtig halte und hör auf mich zu bequatschen."


Oh Mann, DANACH kämen keine Fragen mehr! Ich höre das schreiend betretene Schweigen wenn ich nur darüber nachdenke.


Ja Leute, So geht es uns ständig, wenn ihr uns in die Ecke drängt! Ihr habt keine Ahnung, was in solchen Momenten an Gedanken und Gefühlen durch uns und über uns hinweg walzen!


Ich kann mich glücklich schätzen:  Ich habe kein Problem als asozial eingestuft zu werden, wenn ich auf Sticheleien und Bedrängung mit einem Schulterzucken reagiere und weg gehe. Sozial Kompatibel bin ich schon lange nicht mehr, denn ich habe längst aufgehört, mich rechtfertigen oder erklären zu wollen. Wer mit einer schlichten, einfachen und klaren Antwort nicht zufrieden sein kann, hat selber ein Problem. Wenn ich „nein“ sage, meine ich „nein“. Nicht „vielleicht“ und auch nicht, wenn man mich lange genug unter Druck zu setzen versucht. Im Gegenteil. Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich die Bestie Sucht heute derart unter Kontrolle habe, dass ICH sie kontrolliere und nicht umgekehrt. Nie!

Aber ich weiss, dass nicht jeder Ex-Junkie diesen Willen hat  und ich weiss, wie der Dämon in einem zu Brüllen und zu Toben anfangen kann, wenn sie herausgelockt wird.

 

Dieses Mal blieb es bei den paar Fragen und ging nicht in eine Drängelei, die an Vergewaltigung grenzt über. Erst später beim Essen kam (nicht von mir) das Thema wieder auf den Tisch und ging fliessend über zu weiteren Suchtmitteln.

„Ich trinke halt gerne Bier und daraus mache ich keinen Hehl. Ich werde auch nicht betrunken, also wieso sollte ich nicht weiter trinken? Gekifft haben wir doch alle mal, ist ja nix dabei, ist normal, man will einfach dabei sein. Von Kokain wird man ja nicht abhängig, jedenfalls nicht körperlich. Und von Heroin hat man schliesslich gewusst, wie gefährlich es ist, schliesslich hat man „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ gesehen und hat die Finger davon gelassen, nicht wahr?“


War das eine Frage oder eine Feststellung?
Willst Du darauf Antworten oder wolltest du einfach angeben?
Ich sagte dazu jedenfalls schlicht und einfach: Nichts. Darin habe ich Übung.


Gedacht habe ich folgendes:

Du bist bereits Alkoholiker, Du kapierst es nur noch nicht.
Und gut für Dich, dass „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ Dich derart abgeschreckt hat. Könnte man auch als feige bezeichnen, schliesslich hast Du sonst vor nichts und niemandem Angst oder Respekt. Aber quatsch dir das alles weiter schön. Ich diskutiere das nicht mit dir. Oder wie gesagt: wenn du mitreden kannst - falls du jemals so weit kommst.